October 21, 2026

Leica Erlebnistage 2026 in Nürnberg: Olaf Wolf, Peter Karbe & die Zukunft der Leica M12

by
Chris Kaeppel

Vier Tage Leica Erlebnistage in Nürnberg: Ich war als Filmemacher für Leica dabei. Mit Interview mit Produkttrainer Olaf Wolf, Stefan Daniels New-York-Anekdote zur M9, Peter Karbe über Ingenieursdenken und meinen Gedanken zur Leica M12 und zum Messsucher der Zukunft.

Vier Tage, sechs Shorts und die Frage, wohin die Reise mit dem Messsucher geht

Hallo Freunde der Sonne,

es gibt Events, bei denen man brav in der dritten Reihe sitzt, nickt und mittags heimlich aufs Handy schaut. Und es gibt die Leica Erlebnistage. Vom 23. bis 26. Juli 2026 hat der Leica Store Nürnberg zum Fotografieren, Zuhören und Fachsimpeln eingeladen, und ich war mittendrin. Diesmal nicht nur als Besucher: Leica hat mich als Filmemacher engagiert, um mit ein paar Kurzvideos die Stimmung des Events einzufangen. Hier kommt die Kurzfassung mit allem, was hängen geblieben ist.

Werbung: Die Kurzvideos habe ich im Auftrag von Leica produziert. Dieser Beitrag ist meine eigene, unabhängige Sicht auf das Event.

Programm der Leica Erlebnistage 2026 im Leica Store Nürnberg

Das Programm der Leica Erlebnistage 2026 in 30 Sekunden

Los ging es am Donnerstagabend ganz unprätentiös: Fahrt mit der historischen Straßenbahn in Nürnberg mit dem Store-Team und danach in den Biergarten. Netzwerken auf Fränkisch. Am Freitag folgte die Eröffnung im dasPaul in der Kaiserstraße, und dann ging es Schlag auf Schlag: Slow-Reise-Fotografie mit Bernd Grosseck, Afghanistan mit Mic Gruber, kulinarisches Storytelling mit Isabel Pyc und sozialkritische Projekte von Andreas Groth & Lars Denis Unger. Dazwischen Fotowalks mit Samuel Ioannidis (Street) und mit Oliver Vogler & Olaf Wolf, einmal mit der D-Lux 8, einmal mit der Q3 und Q3 43. Am Samstag ging es um Nepal, das Allgäu, „Origio“ von Milena Schilling, dazu zwei Workshops. Am Sonntag folgten die Arktis und die Grundlagen der Streetfotografie.

Zwei Vorträge und ein Interview sind bei mir besonders hängen geblieben.

Stefan Daniel: 20 Jahre digitale Fotografie und ein Abend in New York

Stefan Daniel kennt ihr vielleicht als „Mr. M“, in Wetzlar hatte ich ihn ja auch schon mal getroffen (hier mein Beitrag zur Leica Welt Wetzlar). Er hat bei Ernst Leitz in Wetzlar als Feinmechaniker angefangen, im Kundendienst Kameras repariert und ist dann ins Produktmanagement gewechselt, wo er die M-Reihe ab der M7 verantwortet hat. Später war er Executive Vice President Technology and Operations. Heute ist er Global Senior Brand Representative der Leica Camera AG.

Was seinen Vortrag ausgemacht hat: Er hat nicht von der Bühne herab doziert, sondern immer wieder das Publikum mitgenommen, Fragen aufgegriffen und Geschichten erzählt, die in keiner Pressemitteilung stehen. Die beste davon spielt am 9. September 2009 in New York. An diesem Tag stellte Leica die M9 vor, die erste digitale M mit vollem Kleinbildsensor. Das Datum 09.09.09 war natürlich kein Zufall, und der Livestream war so gefragt, dass die Server in die Knie gingen.

Nach der Präsentation lief Stefan Daniel durch die Straßen, und wildfremde Menschen sprachen ihn an: Ist das die M9? Er konnte es nicht glauben. Sein erster Gedanke war, dass die Kollegen ein paar Statisten organisiert hätten, um ihm eine Freude zu machen. Hatten sie nicht. Die Leute wussten einfach Bescheid. Rückblickend war die M9 die Kamera, mit der Leicas digitale Erfolgsgeschichte richtig losging, und man sieht Stefan Daniel bis heute an, wie stolz er darauf ist.

Stefan Daniel bei seinem Vortrag auf den Leica Erlebnistagen in Nürnberg
Stefan Daniel in Aktion

Peter Karbe: Die Geschichte des Entfernungsmessers und wie Ingenieure denken

Wenn Stefan Daniel das Gedächtnis der M ist, dann ist Peter Karbe ihr Optik-Gewissen. Seit 1986 arbeitet er in der Optikentwicklung, erst bei Wild Leitz, ab 1992 bei Leica Camera, und hat dort lange die optische Entwicklung geleitet. Heute ist er Senior Managing Expert für Optik und Plattform. Auf sein Konto gehen unter anderem die APO-Summicron-M 50, 35 und 75 sowie die APO-Festbrennweiten des SL-Systems. Das Summilux-M 50 ASPH hat er sogar persönlich gerechnet. Wer ein modernes Leica-Objektiv benutzt, hat also ziemlich sicher schon mit Karbe fotografiert.

In seinem Vortrag ging es aber um mehr als Technikgeschichte. Er hat gezeigt, wie Ingenieure denken: in Problemen, Iterationen und Prototypen. Und er hat offen gesagt, dass er sich wünscht, dass man bei Leica auch in Zukunft einfach mal etwas ausprobiert und den Messsucher weiterentwickelt. Besonders spannend fand ich seine Parallele zum agilen Arbeiten. Für ihn ist das kein neues Buzzword, sondern etwas, das gute Ingenieure schon immer gemacht haben: ausprobieren, messen, verwerfen, verbessern. Scrum gab es in Wetzlar also schon, bevor es so hieß.

Leica M12, Gpixel-Sensor und der Messsucher der Zukunft

Karbes Wunsch kommt zu einem spannenden Zeitpunkt. Im April 2026 hat Leica eine Partnerschaft mit dem chinesischen Sensorhersteller Gpixel aus Changchun angekündigt. Gemeinsam entsteht ein neuer Sensor, kein Bauteil von der Stange, sondern einer, der auf Leica zugeschnitten ist. Entwickelt wird in Wetzlar, Antwerpen und Changchun. Erwartet wird, dass er zuerst in der Leica M12 landet, die nach aktuellem Stand für 2027 erwartet wird. Seit der M11 setzt Leica bei der M auf Sensoren von Sony, bis zur M10 gab es eigene Entwicklungen, unter anderem mit AMS in Graz.

Gleichzeitig hat Leica klargestellt, dass der optomechanische Messsucher der Kern der M bleibt und weiterentwickelt werden soll, auch nach der M EV1 mit elektronischem Sucher. Was könnte das heißen? Ein paar Gedankenspiele von mir:

  • LiDAR als digitaler Entfernungsmesser: Hasselblad unterstützt den Autofokus der X2D II 100C mit LiDAR. In einer M müsste so ein System nicht fokussieren, sondern könnte im Sucher bestätigen, dass man scharf ist. Ideal für Offenblende und für Messsucher-Neulinge.
  • Eingespiegelte Infos im optischen Sucher: Fujifilm zeigt bei der X100-Serie, wie digitale Informationen in einen optischen Sucher kommen. Bei der M wären Belichtungsvorschau, Horizont oder exakte Bildrahmen denkbar, ohne den Blick durchs Glas aufzugeben.
  • Selbstkalibrierender Messsucher: Ein Sucher, der Versatz erkennt und meldet, würde manchem den Weg zum Customer Care ersparen.
  • Sensor und Messsucher als Team: Wer einen eigenen Sensor entwirft, kann Fokusdaten von Sensor und Messsucher zusammendenken.

Ob etwas davon kommt, weiß nur Wetzlar. Nach Karbes Vortrag habe ich aber das Gefühl, dass dort jemand ziemlich laut darüber nachdenkt.

Interview mit Leica-Produkttrainer Olaf Wolf

Mein persönliches Highlight war das Gespräch mit Olaf Wolf. Er ist Produkttrainer bei Leica für die Stores und Multibrand-Händler, hilft mit, Produkte über Firmware-Updates besser zu machen, begleitet neue Kameras in den Markt und gibt Seminare in der Leica Akademie. Gelernt hat er übrigens Flugzeugmechaniker, mit Meisterprüfung. Das merkt man, wenn er über Materialien spricht.

Community: Olaf mag an den Erlebnistagen, dass so unterschiedliche Charaktere zusammenkommen. Der eine liebt dies, der andere das, und genau der Austausch untereinander macht für ihn Community aus. Und manchmal kann man noch jemandem einen guten Tipp mitgeben.

KI: Für die Nachbearbeitung hilfreich, aber das Bild selbst soll aus dem eigenen kreativen Schaffen entstehen. KI als Unterstützung, nicht als Störung des kreativen Flusses.

Smartphone vs. Kamera: Überraschend entspannt. Das Smartphone hat Leica sogar Kunden gebracht: Wer damit Blut geleckt hat, sieht irgendwann, was mit einer echten Kamera möglich ist. Selbst das Leitzphone mit seiner tollen Bildqualität ersetzt aber keine M oder SL.

Seine Wünsche: Olaf ist bekennender SL-Fan und fotografiert selbst mit der SL3-S. Er wünscht sich ein größeres SL-Objektivsortiment und vor allem leichtere Objektive, etwa mit Magnesiumgehäusen. Kunden seien oft nicht vom Gewicht der Kamera entsetzt, sondern vom Objektiv. Ausdrücklich keine Kritik, sondern ein Wunsch. Außerdem findet er das SL-System unterschätzt. Da musste ich lachen, denn genau deshalb hängt an meiner SL3-S ein M-Objektiv: Viele SL-Linsen sind mir schlicht zu schwer. Mehr dazu in meinem Beitrag zu meinem Kamerarucksack.

Testerprogramm: Wie man da reinkommt, weiß Olaf ehrlich gesagt selbst nicht. Ihn rufen die Kollegen aus der Entwicklung einfach direkt an: Willst du mal was testen?

Privat unterwegs: Natürlich mit der SL, etwa wenn seine Tochter bei Reitturnieren startet. Auf Reisen nach Indonesien oder zu einem Freund in Utah kommen die SL mit zwei Vario-Objektiven und eine Q mit. Beim Fluggepäck muss man sich eben beschränken.

Community first bei den Leica Erlebnistagen

Neben Olaf Wolf habe ich auch noch spannende Gesichter aus der Community interviewt und ein paar schnelle Fragen zu ihrer Fotografie gestellt:

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Vier Tage zwischen Vortragssaal, Fotowalk und Biergarten brauchen eine Tasche, die die Kamera schützt und trotzdem nicht nach Ausrüstungskoffer aussieht. Oberwerth produziert in Deutschland hochwertige Kamerataschen und Kamerarucksäcke in zeitlosem Design. Mit dem Code vision10 bekommt ihr 10% auf das gesamte Sortiment und unterstützt mich über das Affiliate Programm von Oberwerth. Hier kommt ihr direkt zu Oberwerth, hier findet ihr meinen Test der Oberwerth Relon.

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Mein Fazit zu den Leica Erlebnistagen 2026

Ich bin dabei gewesen, um ein paar Clips einzusammeln. Zurückgekommen bin ich mit einer vollen Festplatte und dem Gefühl, dass bei Leica noch einiges passieren wird. Die Sessions waren inspirierend, das Besondere waren aber die Menschen: Peter Karbe, der laut über die Zukunft nachdenkt, Stefan Daniel, der ein Fels in der Brandung für das M-System ist und Fotografen, die einfach machen. Wer nächstes Jahr in der Nähe ist: hingehen.

Was wünscht ihr euch von der Leica M12? Schreibt mir gern.

Häufige Fragen zu den Leica Erlebnistagen und zur Leica M12

Was sind die Leica Erlebnistage?
Ein mehrtägiges Event des Leica Store Nürnberg mit Vorträgen, Fotowalks und Workshops. 2026 fand es vom 23. bis 26. Juli statt, mit der Eröffnung im dasPaul in der Kaiserstraße.

Wann kommt die Leica M12?
Offiziell angekündigt ist sie nicht. Nach aktuellen Berichten wird sie für 2027 erwartet, voraussichtlich mit dem neuen, gemeinsam mit Gpixel entwickelten Sensor.

Wer ist Peter Karbe?
Einer der bekanntesten Optikentwickler von Leica. Er hat unter anderem die APO-Summicron-M 35, 50 und 75 und die APO-Festbrennweiten des SL-Systems entwickelt.

Bleibt der Messsucher bei der Leica M?
Laut Leica ja: Der optomechanische Messsucher bleibt Kern der M und soll weiterentwickelt werden. Die M EV1 mit elektronischem Sucher ist ein zusätzliches Angebot.

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Impressionen von den Leica Erlebnistagen 2026 in Nürnberg

Leica Erlebnistage 2026 im Leica Store Nürnberg: Interview mit Olaf Wolf, Vorträge von Stefan Daniel und Peter Karbe, neuer Gpixel-Sensor, Leica M12 und die Zukunft des Messsuchers.