
Ein Fotowalk durch Berlin mit Mary-Ann Weber aka Fotomädchen: Leica Q3 gegen zwei Fujis, Babylon-Leuchtreklame, Hausdurchgänge im Abendlicht und fünf Learnings, die meine Streetphotography verändert haben.
Ein Fotowalk durch Berlin, eine Leica Q3, zwei Fujis und fünf Erkenntnisse, die meine Streetphotography gerade umkrempeln
Hallo Freunde der Sonne,
vor ein paar Wochen war ich dienstlich in Berlin und habe mir etwas gegönnt, das ich schon lange machen wollte: einen Fotowalk mit Mary-Ann Weber. Auf Instagram kennt ihr sie vielleicht als Fotomädchen, rund 300.000 Leute folgen ihr dort, und kaum jemand fängt Berlin auf der Straße so ein wie sie. Ich war mit meiner Leica Q3 unterwegs, Mary mit der Fujifilm X-H2S und der X100VI. Zwei Stunden, viel Fachsimpelei und ein paar Bilder, auf die ich richtig stolz bin. Vor allem die Leuchtreklame vom Babylon Kino hat es mir angetan.
Die Kurzfassung: Ich habe mehr gelernt als erwartet. Hier sind meine fünf wichtigsten Learnings und was sie mit meiner Straßenfotografie gemacht haben.

Marys erster Tipp klang erst mal unspektakulär: so viel wie möglich manuell einstellen. Für sie zählen in der Street vor allem Kontraste, denn genau dort bleibt der Blick hängen. Mein erster Gedanke war: Das schafft die Automatik doch auch. Also habe ich während des Walks immer wieder hin und her gewechselt. Ergebnis: Mit manueller Belichtung hole ich deutlich mehr raus. Mary belichtet zudem eher etwas dunkler, weil sich die Kontraste in der Nachbearbeitung dann viel schöner herausarbeiten lassen. Das sieht man meinen Bildern an, sie sind eher Eyecatcher geworden.
Klar, mit Spotmessung käme man vielleicht auch dahin. Aber es fühlt sich gut an, wieder mehr nachzudenken, wie das Bild am Ende aussehen soll. Zugegeben: ISO und Belichtungszeit parallel im Griff zu behalten, ist nicht ganz easy. Da muss ich noch üben. Einzige Ausnahme, da waren wir uns sofort einig: Der Autofokus darf bleiben.
Spannend fand ich auch, dass Mary überwiegend in JPEG fotografiert und nicht in RAW. Wenn man ihre Bilder sieht, würde man das nie vermuten. Die Fuji-Filmlooks machen da schon in der Kamera viel möglich. Ich glaube ja schon länger, dass die Reise genau dahin geht: weniger Lightroom, mehr Look direkt aus der Kamera. Ich selbst bearbeite noch sehr gerne. Wie haltet ihr es: JPEG und fertig, JPEG plus Bearbeitung oder RAW, sonst nichts?


Der zweite Punkt hat mich ertappt. Ich bin oft mit Kamera in Nürnberg unterwegs, mache nebenbei ein paar Fotos, gehe dazwischen einkaufen und komme nicht selten frustriert nach Hause. Kein Wunder: Gute Bilder unter Zeitdruck sind eher Glückssache.
Mary macht das anders. Sie nimmt sich bewusst Zeit für einen Walk, plant ihn mit Wetter-Apps bis hin zur Nebelwahrscheinlichkeit und wählt die Tageszeit passend zum Licht. Ihr Argument: Sie kennt Berlin in- und auswendig, also machen Wetter und Licht den Unterschied. Genau das will ich mir in Nürnberg abschauen. Ich gebe es zu, zuletzt hatte ich die Kamera oft gar nicht dabei, weil ich dachte, ich kenne eh schon alles. Mit Wetter, Licht und Veranstaltungen im Blick wird die eigene Stadt plötzlich wieder neu. Und ja, ein bisschen Musik zum Warmlaufen ist erlaubt.


Menschen in der Street abzulichten, fällt mir nach wie vor schwer. Mary sieht das ähnlich: Erkennbare Gesichter fotografiert sie nicht. Wir haben es aber an einem schönen, hell erleuchteten Hausdurchgang ausprobiert. Das Motiv war schon für sich interessant, spannend wurde es aber erst, als jemand hindurchlief. Und das geht, ohne dass man die Person erkennt oder ihr zu nahe tritt.
Mein Fazit: Menschen machen die Geschichten. Ohne sie bleibt ein Bild manchmal einfach stumm. Trotzdem gehe ich dabei behutsam vor und frage mich jedes Mal: Wäre es für mich okay, so fotografiert zu werden? Und wäre es okay, wenn jemand mit diesem Bild Geld verdient?


Jetzt wird es persönlich. Während des Walks habe ich mich immer wieder gefragt, warum Marys Bilder besser aussehen als meine. Die Antwort war schnell gefunden: Mary hat mit 50 mm fotografiert und kann sich damit Ausschnitte nehmen, die mit 28 mm einfach nicht drin sind. Bei mir war oft zu viel im Bild.
Hab ich also wieder die falsche Kamera? Nicht unbedingt. Großzügig croppen ist nicht mein Ding, und Mary sieht das auch so: Man sieht einem Bild an, wenn es von 28 auf 75 mm beschnitten wurde. Die Perspektive muss für mich schon beim Fotografieren stimmen. Beim Durchsehen meiner älteren Streetfotos ist mir aber aufgefallen, dass meine besten Bilder entstanden sind, wenn ich mit den 28 mm richtig nah rangegangen bin. Genau das ist jetzt meine Challenge: näher ran, mehr Details, klarere Ausschnitte. Die Tür, die ihr hier seht, gibt es deshalb in zwei Varianten, einmal original und einmal leicht nachgecroppt.
Trotzdem steht ein Walk mit 50 oder sogar 90 mm auf meiner Liste. Ein Brennweitenwechsel ist manchmal der schnellste Weg zu einem neuen Blick. Wie es mir mit 50 mm in Nürnberg ergangen ist, lest ihr übrigens in meinem Streetwalk mit A Leica Dude. Und warum ich die Q3 trotz allem liebe, steht in meinem Langzeitreview zur Leica Q3.


Jeder kennt diesen Moment: Seit einer Stunde will einfach keine gute Szene kommen, und die Laune sinkt. Marys Gegenmittel ist simpel und clever. Statt weiter nach der perfekten Geschichte zu suchen, setzt man sich einen kleinen Fokus: etwas Rotes, etwas Grünes oder abends die Scheinwerfer der Autos. Man sucht also nach einem Element im Bildausschnitt statt nach dem großen Ganzen. Das nimmt Druck raus, und oft laufen einem danach die Geschichten wieder ganz von allein über den Weg.


Das waren meine fünf wichtigsten Learnings. Ausprobiert haben wir natürlich noch viel mehr, und es hat einfach Spaß gemacht. Wenn ihr mal in Berlin seid, bucht euch einen Walk bei Mary. Dafür mache ich sehr gerne unbezahlte Werbung.
Mir hat der Tag außerdem gezeigt, dass ich so etwas auch selbst anbieten möchte. Wenn ihr Lust auf einen Fotowalk in Nürnberg habt, schreibt mir gerne oder schaut bei meinen Workshops und Coachings vorbei.

Fotografiert habe ich in Berlin ausschließlich mit der Leica Q3. Für das Video kamen die Leica SL3-S mit dem Summilux-M 35 mm f/1.4 Close Focus und meine kleine Videokamera dazu. Die Bilder von mir mit der orangen Mütze hat Tobi aka A Leica Dude in Nürnberg geschossen, danke dir!
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In Berlin war mein Oberwerth Everest wieder mit dabei. Oberwerth produziert in Deutschland hochwertige Kamerataschen und Kamerarucksäcke in zeitlosem Design. Mit dem Code vision10 bekommt ihr 10 % auf das gesamte Sortiment und unterstützt mich über das Affiliate-Programm von Oberwerth. Hier kommt ihr direkt zu Oberwerth, hier findet ihr meinen Test des Everest.
Wie immer freue ich mich über euer Feedback, gerne per E-Mail oder in den Kommentaren unter dem Video.
Bleibt kreativ und bis dann,
Chris
Fotowalk in Berlin mit Mary-Ann Weber alias Fotomädchen: Was ich über manuelle Belichtung, bewusstes Fotografieren, Menschen im Bild, 28 mm an der Leica Q3 und kleine Challenges gelernt habe.













